|
Werfen wir noch einmal einen Blick auf die neun Felsen oder Stufen, so ist vor allem der Irrtum abzuweisen, als ob hier von Stufen des Himmels die Rede wäre. "Es sind nicht die neun Chöre der Engel", sagt die Antwort. Was hier dargestellt wird, das sind die neun Stufen der Erneuerung, vom Anfang der neuen Geburt bis zum vollkommenen Alter Christi oder bis zur Vollendung.
Der Mensch fürchtet Gott und hütet sich vor frechen Sünden. Dabei ist er aber noch lau und träge, in der Natur gefangen und eigenliebig genug, seinen Zustand für den besten zu halten. Ein solcher hat bis zu seiner Reinigung noch sehr viel zu erleiden und wird es jenseits doch nicht hoch bringen.
Der Mensch beginnt sich in einigem zu verleugnen und hält sich zu christlichen Freunden. Aber er ist zu nachsichtig gegen sich selbst, nennt seine Trägheit Schwachheit, hält noch sehr an der Welt und ärgert sich an der Strenge seiner Führer oder Lehrer. Da ist noch sehr viel auszubrennen und wird doch keine große Seligkeit erreicht werden.
Der Mensch ist sich strenge, bekämpft tapfer seine sinnliche Natur, aber sein Beweggrund ist nicht die Liebe zum Herrn, sondern die Furcht vor der Hölle und der Wunsch, in den Himmel zu kommen. Dabei ist er noch nicht völlig von der Welt los und hängt noch sehr in der Eigenliebe. Das bringt noch viel Leiden.
Auf diesen drei Stufen ist die Liebe zur Welt noch in verschiedenem Grade vorhanden.
Die Weltlust ist überwunden, redlich, treulich, völlig. Aber die Eigenliebe hat noch sehr tiefe Wurzeln, und es ist sehr schwer, sie von ihren selbsterwählten Wegen abzubringen. Da ist noch viel zu läutern.
Die Mitte. Hier erst ist der ganz richtige Weg betreten. Der Mensch sieht ein, wie eigenwillig er war, er fängt an, nichts mehr aus seinem Eigenen zu tun, sondern sich Gott zu überlassen und der Führung eines geübteren Christen zu folgen. Aber es ist darin noch keine Stetigkeit und gibt oft Rückfälle.
Nun kein Schwanken mehr zwischen Gottes Willen und der eigenen Wahl. Lautere geistliche Armut. Aber der Mensch ist noch kein Mann in Christo; er will noch nach Kinderweise genießen, will mehr noch Trost und Ergötzung, statt seinen Herrn und Schöpfer immer völlig ungehindert wirken zu lassen. Darum muß noch viel ausgeläutert werden. Weltlust ist völlig überwunden, Eigenliebe redlich und stetig bezwungen, aber diese ist noch nicht mit der letzten Wurzel ausgerissen.
Diese Menschen haben sich im innersten Grunde gelassen; der Geist hat das Fleisch überwunden, und sie tun leiden gerne, was Gott will. Darum hat ihnen auch Gott Seine besondere Gnade erteilt. Aber sie erfreuen sich noch mit einiger Eigenheit an der Gnade und nehmen das hl. Abendmahl mit Verlangen nach Trost und Genuß und erkennen das nicht. Sie werden deshalb noch heiße Arbeit haben.
Sie haben sich Gott völlig übergeben, was immer Er mit ihnen tun will in Zeit und Ewigkeit; sie suchen allein Seine Ehre, und alle Güter der Welt haben keinen Wert mehr für sie. Darum hat sie auch Gott mit mehr Gnade erfüllt und mit hohem Lichte, also daß sie auch viele seiner verborgenen Wunder sehen dürfen, doch noch in Bildern. Aber sie sind noch nach diesen Offenbarungen begierig, und darin mangeln sie noch der rechten Vollkommenheit, und deshalb müssen sie auch noch einige Läuterungen erfahren.
Alles natürlich Wesen ist dahin, völlig gereinigt ist Blut und Mark, sie leuchten inwendig wie klare Engel, sie haben keinen andern Wunsch, als daß die Ehre Gottes vollbracht werde. Gott ist ihr alles.
|